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Das Verhaengnis des schwarzen Goldes  

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(@Anonymus)
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Beiträge: 117
27/11/2007 4:33 pm  

Als die Kontinente auseinanderdrifteten, bargen sie bereits das schwarze Gold in sich, einen Grossteil. Das schwarze Gold, bereits den Sumerern bekannt und von ihnen fuer Asphaltstrassen genutzt, wurde ab 1498 in Pechelbronn im Elsass, wo es auf natuerliche Weise zutage trat, studiert, gefoerdert und genutzt, vorerst fuer medizinische Zwecke.
Das schwarze Gold birgt eine Geschichte in sich, die die menschliche bei weitem uebersteigt. Die Geschichte der Nutzung durch den Menschen ist nur ein Atemzug, eine Exnihilation, ein Schluck, ein einziger, mit dem er, der Mensch, alles aufschluckt, um schlussendlich an ihm ein Urteil zu erfahren. Der Schluck ist einfach zu gross fuer den Magen der Menschheit, der "zivilisierten", jener, die auf seinen Genuss angewiesen ist.
Das Oel birgt eine Geschichte von Hunderten von Millionen Jahren in sich, die das Vorstellungsvermoegen sprengen. Unzaehlige Lebewesen des Meeres, Plankton, das auf den Grund des Meeres absank, dort von Sedimenten ueberlagert und spaeter unter Druck gesetzt wurde. Das Oel ist organischen Ursprungs und damit die grosse grosse Ausnahme unter den Rohstoffen. Organischen Usprungs. Vergangenes Leben. Das Rohoel setzt sich aus mehr als 17.000 Bestandteilen zusammen, Erbe des vergangenen Lebens. Vielleicht ist es deshalb so wertvoll. Es birgt Leben. Ein dunkles Geheimnis.

Aber es birgt auch den Tod. Mindestens im gleichen Mass. Das Oel ist Segen und Fluch zugleich, fuer uns, die Erdenwuermer, die wir nach ihm bohren. Das Oel ist ein Weltwirtschaftsfaktor ersten Ranges: Oel, Waffen, Drogen, Prostitution. Die vier Geisseln. Die Pharmazeutika sind in Teilen bereits ein Ableger des Oels.
Das Oel ist faehig, der Welt von einem Tag auf den anderen ein Ende mit Schrecken zu bereiten. Ein Dominoeffekt auf einer der Weltboersen, in Tokyo, Rotterdam oder New York, und es ist aus.
Die Aussagen, wieviel Reserven an dieser dunklen, klebrigen, chemisch von Lagerstaette zu Lagerstaette variierenden Fluessigkeit im Mutterboden schlummern, sind strittig, weil von einem Meinungsdisput, der in Wahrheit ein Fakten- und damit ein Interessenskrieg ist, auf Brenntemperatur aufgeheizt. Ob 1,148 Billionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter, soviel wie frueher eine Heringstonne fasste) oder, wie "Science" meint, kanpp 3 Billionen. Man sagt, wir stehen an der Spitze der rentablen Foerderung (eine Steigerung hiesse, in Spalten einzudringen, womit die Foerderung unrentabel wird), haetten den Gipfel der "Hubbard-Kurve", einem technologisch-oekonomischen Verhaeltnis-Index, erreicht.
Bis dato, so "Wikipedia", hat die Menschheit 900 Milliarden Barrel gefoerdert. Der taegliche weltweite Verbrauch betraegt 84 Millionen Barrel. Mit anderen Worten, fuer gut 10.000 Tage, das sind knappe 30 Jahre, hatten wir (wir?) unser Auskommen. Der Weltverbrauch steigt unter dem Einfluss von China und Indien jaehrlich um 2%. Dieser Engpass hat in der Internationalen Energieagentur bereits Alarm ausgeloest. Wie die Produktion steigern, wenn die Foerderung unrentabel wird? Die Folgen waren logisch, wir wissen es alle. Innerhalb von 2 Jahren eine Steigerung des Preises pro Barrel von 50,- auf 100,- Dollar. Und damit sind die Schrauben angezogen, nur nicht im Optionenhandel. Die Dezember-Kontrakte, also jene Vertraege, die im Dezember eingeloest werden muessen, laufen antizyklisch auf 97,- Dollar hinunter. Damit werden Milliarden Gewinne und Verluste, durch reine Spekulation, durch reines Pokern, ausgeloest. Um einen solchen Gewalt-Hebel gegen den Markttrend anzusetzen, muessen mindestens 500 Milliarden Dollar, wenn nicht ein Vielfaches, bewegt werden. Ein Oeltanker, der - naiv geschaetzt - gut 300 mal 50 mal 20 Meter misst, also 120.000 Kubikmeter, das sind 120 Millionen Liter oder 720.000 Barrel Rohoel im Wert von 72 Millionen Dollar, wechselt auf seiner Route mehrmals den Besitzer. Der Besitzer kann ihn an eine neue Destination dirigieren oder auf hoher See tuempeln lassen. Eine Tankladung kann fuer Momente faktisch ueber dem Marktpreis liegen.

Die groessten Erdoelkonzerne, und damit Konzerne weltweit, sind Exxon Mobil (USA) mit 246,7 Milliarden $ Umsatz in 2003, Shell und BP (beide englisch) mit 269,1 und 232,6 Mrd.$, Chevron Texaco (USA) mit 120 und die franzoesische Total mit 117,6 Mrd.$.

Zu den groessten Foerderern zaehlten im Jahre 2003 Saudi Arabien mit 496,8 Milliarden Tonnen, Russland mit 420 Milliarden Tonnen, die USA mit 349,4, Mexiko mit 187,8 und der Iran mit 181,7 Mrd. Tonnen.

Den bei weitem groessten Verbrauch verzeichnen die USA mit 20,1 Millionen Tonnen taeglich, gefolgt von China mit 6 Mio.Tonnen, Japan 5,5, und Deutschland mit 2,7 Mio.Tonnen.
Die Exportfuehrer sind Russland, Norwegen, Grossbritannien und Libyen.

Die angegebenen Zahlen sind politische Zahlen, die von den Konzernen und den nationalen Geheimdiensten kontrolliert werden. Sie koennen daher von der Realitaet erheblich abweichen, so wie die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak und der optionelle Einsatz von Nuklearwaffen im Iran durch die USA (vor der Haustuere Russlands).

Nigeria, ein Oelfoerderer, der gefaehrlichste Staat auf Erden, der nicht offiziell als Kriegsgebiet gilt, verzeichnet 500 Tote pro Woche im Krieg ums Oel, so Amnesty International. Die militaerische Stationierung von 160.000 Soldaten im Irak rentiert sich um den Preis des irakischen Oels.

Oel ist ein fossiler Energietraeger, der Kohlendioxyd freisetzt. Der Treibhauseffekt ist fuer Menschenhand unumkehrbar. Aber wir steigen weiterhin in unsere Autos ein.

Mein Freund Pascal arbeitete frueher bei den Schwarzen. Mit seinem umgaenglichen, niemals lauten oder zynischen Wesen gewann er sie als Freund. Sie schenkten ihm Tierpraeparate und Speere. Er haette bleiben und sich mit einer Schwarzen verheiraten koennen, gluecklich. Freilich, das haette seiner Karriere geschadet. (Er war Franzose). Spaeter, zurueckgekehrt auf den "Alten Kontinent", lebte er alleine in einer Luxuswohnung, in der Stadt der Musik. Er war ein Workaholic, wie man so schoen sagt. Ausser der Arbeit kannte er nichts, glaubten wir. Noch auf der Toilette redete er vom Geschaeft. Dann setzten quaelende Rueckenschmerzen ein, die ihn sich auf den Boden legen liessen, vor seinen Mitarbeitern, im Buero. Er blieb unbeweibt. Dann zog er ins Land der Schnellfahrer, und es vergingen nur ein paar Monate, da war er tot, durch eigene Hand, ein Entschluss von Minuten. Der Preis ans Oel.


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