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Das Wirken des einen und allen


(@w-himmelbauer)
Member Admin
Joined: 18 years ago
Posts: 368
Topic starter  

Als er mit ihnen zusammen war, gebot er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern die Verheissung des Vaters abzuwarten, "die ihr [so sagte er] von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft. Ihr aber werdet jetzt nach wenigen Tagen mit Heiligem Geist getauft werden."
Als jene nun beisammen waren, fragten sie ihn: "Herr, richtest du in dieser Zeit das Reich fuer Israel wieder auf?" Er antwortete ihnen: "Euch kommt es nicht zu, Zeit und Stunde zu kennen, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Ihr werdet vielmehr die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommt, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judaea und Samaria, ja bis an die Grenzen der Erde."
Nach diesen Worten ward er vor ihren Augen emporgehoben. Eine Wolke entrueckte ihn ihren Blicken. Waehrend sie noch unverwandt zum Himmel schauten, wie er hinging, da standen zwei Maenner in weissen Gewaendern bei ihnen. Die sagten: "Ihr Maenner von Galilaea, was steht ihr da und schaut zum Himmel hinauf? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen ist, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel auffahren sehen." (Apostelgeschichte 1, 4-11).

"Wir werden nie wieder zusammensein", sagte er leise. "Du brauchst meine Hilfe nicht mehr, und ich werde sie dir nicht mehr anbieten. Denn wenn du es wert bist, ein Krieger-Wanderer zu sein, dann wirst du mir ins Gesicht spucken, wenn ich dir meine Hilfe anbiete. Von einem gewissen Punkt an ist das Alleinsein die einzige Freude eines Krieger-Wanderers. Ich wuerde ebensowenig wollen, dass du mir hilfst. Wenn du ein wuerdiger Krieger-Wanderer bist, dann sei makellos! Widme dich deiner Welt. Ehre sie und beschuetze sie mit deinem Leben!"
Er entfernte sich von mir. Der Augenblick hatte nichts mehr mit Selbstmitleid, Traenen oder Glueck zu tun. Er bewegte den Kopf, als wolle er sich von mir verabschieden oder als wolle er mir zeigen, dass er wusste, was ich empfand.
"Vergiss das Ich, und du wirst nichts fuerchten, gleichgueltig, auf welcher Ebene des Bewusstseins du dich befindest", sagte er.
In einem Anflug von Unbeschwertheit wollte er mich zum letzten Mal necken. "Ich hoffe, man wird dich lieben!" sagte er, hob die Hand in meine Richtung, streckte die Finger wie ein Kind und drueckte sie dann gegen die Handflaeche.
"Ciao!" sagte er.
Ich wusste, es war vergeblich zu trauern oder etwas zu bedauern. Das Bleiben war fuer mich so schwer wie fuer Don Juan das Gehen. Wir waren beide in einem unabaenderlichen energetischen Manoever gefangen, das keiner von uns verhindern konnte. Trotzdem wollte ich mich Don Juan anschliessen und ihm folgen, wohin er auch gehen mochte. Ich dachte daran, dass er mich vielleicht mitnehmen wuerde, wenn ich starb.
Dann sah ich, wie sich Don Juan Matus, der Nagual, an der Spitze seiner fuenfzehn anderen Seher auf den Weg machte. Es waren seine Gefaehrten, seine Schuetzlinge und sein Stolz. Einer nach dem anderen verschwand im Dunst der Mesa in Richtung Norden. Ich sah, wie sich jeder in einen leuchtenden Tropfen verwandelte. Sie stiegen zusammen auf und schwebten ueber der Hochebene wie Phantomlichter am Himmel. Einmal umkreisten sie den Berg, so wie es Don Juan angekuendigt hatte. Es war ein letztes Schauen, das, was nur fuer ihre Augen bestimmt war. Es war ihr letzter Blick auf die wunderbare Erde. Dann waren sie verschwunden. (C.Castaneda, Das Wirken der Unendlichkeit, Frankfurt/Main 1998, S.398f.)

"Sieben Jahre verbrachte ich mit meinem Meister. Was fuer unglaubliche Dinge lehrte er mich. Ich hielt alles fuer einen grossen Spass und als Mittel, mir Frauen, die ich begehrte, angeln zu koennen. Mein Meister lebte ohne Salz und Zucker, die meiste Zeit im Wald. Doch er scheute die Menschen nicht. Sie hingegen machten einen Bogen um ihn. Wir waren mehrere. Noch andere lernten bei ihm. Er war ein Banco. Einer, wie es sie heute nicht mehr gibt. Er ging ins Wasser und kam nach einer Woche wieder heraus. Sein Anzug war trocken und er selbst angeheitert. Er kaeme von einer Fiesta mit Freunden und Bier, sagte er immer bei diesen Gelegenheiten. Er war ein Wissender. Schade, dass ich damals ein solcher Bock und so ueberheblich war. Ich zog dann in eine andere Stadt, von ihm weg. Mein Wegelagererdasein nahm ein Ende. Ich meinte, es waere nur fuer kurze Zeit und ich wuerde ihn danach wiedersehen. Doch dem war nicht so. Ich habe mich weder ordentlich von ihm verabschiedet noch ihm gedankt. Von den anderen, die noch weiter bei ihm lernten, habe ich spaeter gehoert, dass er mir Gruesse nachschickte. Jahre danach habe ich aus San Martin erfahren, dass er von der Bildfl?che verschwunden war, als haette ihn die Erde verschluckt. Das hatte er immer angekuendigt, und alle stimmten darin ueberein, dass er endgueltig ins Wasser gegangen war. So waren die Bancos damals." (Don Santiago Guerra Lopez, 79, Tamshiyacu).


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