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Die Auferstehung des Herrn  

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(@w-himmelbauer)
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21/04/2019 3:43 pm  

Die Auferstehung des Herrn

 

Das Osterfest, die Auferstehung des Herrn von den Toten am dritten Tag, dem Tag nach dem jüdischen Sabbath, zerreißt die Welt und jeden Einzelnen, denn nur die Allerwenigsten glauben an sie. Glauben im Herzen, ganz persönlich. Das ist die Richtung, die beklemmende Ahnung: Alles unwahr, der Nazarener längst vermodert. Doch auch an den Gläubigen nagt ein Zweifel, ein hartnäckiger Zweifel. Ein Zweifel, der sich unweigerlich auch bereits in die Urgemeinde eingenistet hatte, glaubten sie doch, ihm noch zu Lebzeiten nachfolgen zu werden, genau so wie es mit ihm geschehen war. Doch dem ist nicht geschehen. Seitdem, so die Statistiker, sind gute hundert Milliarden Menschen gestorben, die meisten von ihnen spurlos verschwunden. Auch Christus verschwand spurlos, und sein Wiederkommen ist nicht nur ungewiß, niemand weiß auch, wann es geschehen wird. Das bezeugte er ja selbst. "Niemand kennt den Tag und die Stunde, die der Vater im Himmel bestimmt hat." Diese Rede wird im Grunde heute verächtlich und mit Häme bespuckt, und nach dem Bespucken tritt bodenlose Verzweiflung ein. Und bodenlose Verzweiflung führt in der Regel zu Irrsinn, Umnachtung, Selbsttötung und allgemeinem Morden. Wir haben es hier mit einem weltweiten Aufschrei zu tun, einem Aufschrei, der gut vergleichbar ist mit dem Aufschrei der gequälten Tierwelt, erst recht des Zuchtviehs, das durch und durch seiner Würde beraubt wird. Das Verbrechen, das der Mensch an den Tieren begeht, setzt sich fort an den Bäumen und geht über zu den lebenswichtigen Elementen Wasser, Erde und Luft. Selbst das Feuer haben wir mit unserem Atomwahn entheiligt. Wir haben alles entheiligt. Das ist die verhängnisvolle, durch und durch dramatische Lästerung durch ein Wesen, das sich vor eine himmelhohe Wand gestellt sieht, die undurchdringlich scheint und die, noch schlimmer, nicht antwortet. "Es antwortet ja niemand" ist ein Bekenntnis vieler Patientinnen, die in tiefer Trauer zu versinken drohen. Und viele dieser Frauen sind in tiefer Trauer gestorben, ohne Antwort und ohne Glauben. Selbst das Sakrament der letzten Ölung lehnen sie aus diesem Grund ab. Das Sakrament spendet weder Trost noch gibt es Antwort. Der Priester, der an meinem Totenbett steht, lügt nur, oder er weiß letztendlich nicht, was er da wirklich tut. Er beantwortet mir ja keine einzige Frage, und das hat er auch früher nie getan. Er hat mir nie beantwortet, warum er tagein, tagaus so geschmacklos angezogen ist; warum das eiserne, schwere Kreuz auf seiner Brust; warum die Geldwirtschaft; warum das Anbiedern; warum das Lügen; warum die eigene Perversität. Ich liege auf meinem Totenbett und sehe einen riesengroßen schwarzen Schatten an der gegenüberliegenden Wand stehen. Nimand der anderen sieht ihn, nur ich. Es ist lächerlich, daß meine Angehörigen und sonstigen Besucher dermaßen blind sind. Das alles ist ein absurdes Theater. Es ist nur pervers. Jetzt also bin ich an der Reihe. Schlimm genug. Es soll ohne Schmerzen gehen. Hat jemand die Spritze, sage ich nicht Nein. Und dann werden wir sehen. Schade, daß ich niemandem berichten werde können. Das ist wirklich schade: Du kannst nie ernst reden. Von jedem wirst du gemaßregelt, bis zuletzt. Niemand läßt dich ausreden. Alle fallen dir ins Wort. Und jetzt, wo ich mich nicht mehr wehren kann, erst recht. Daß all dieses Schmähtheater in ein paar Stunden sein Ende gefunden haben wird, ist nur schlechter Trost. Mir fehlt sogar die Kraft zu protestieren. Es ist ein Jammer!

Diese Rede ist Lästerung. Die Lästerung zeichnet uns Menschen aus. Wir fühlen uns im Recht. Wir fühlen uns im Recht auch gegen Gott. Wir reden, er antwortet nicht. Also lästern wir. Franziskus nennt das die "Rebellion des Menschen". Der Mensch, der gegen alles rebelliert. Das unterste, wogegen er rebelliert, ist das eigene Leben Müssen. Der rebellierende Mensch, der hochmütige, schwingt sich zu der ultimativen Rede der Lästerung auf: "Du hast mich nicht gefragt, ob ich überhaupt leben will." Das ist unser Kennzeichen. Das Zeichen, das uns bezeichnet. Der Hochmut. Im besten Fall ist es lähmende Gedankenlosigkeit, Dummheit. Doch Gier und Dummheit werden noch dazu führen, daß die Menschheit sich selbst ausrottet. Die Selbstausrottung der Menschheit ist die ultimative Gotteslästerung. Doch die Instanz, die hier brüllend lästert, hat selbst damit kein Problem.

Die Zustände sind fürchterlich. Die Krankheit ist fürchterlich. Wo ist Trost? Wo ist Hoffnung? Wer gibt Antwort? Schreckliche Dinge passieren. Ungeheure Dinge passieren. Die Leute wissen nicht, was sie reden. Wir werden auf Tag und Stunde zerschossen, mundtot geschossen. Wie erst all die Tiere in den Käfigen? Wer wütet hier? Was wütet hier? Ich sehe es täglich. Sie saufen gierig das amerikanische Zuckerzeug. Die Plastikflasche werfen sie in den Fluß, egal, ob Kind oder Mutter. Sie wissen absolut nicht, was sie da tun. Sie haben absolut keine Vorstellung, was außerhalb ihres Horizontes geschieht. Der peruanische Ex-Präsident Alan Garcia macht es vor: Er schießt sich in der Karwoche in den Mund, in seinem Schlafzimmer. Draußen die wartende Polizei, die ihn abholen will. Ein Verbrecher, der Statur beweist. Was danach kommt, ist ihm egal. Er hat sich dem weltlichen Gesetz entzogen. Andere sagen, für mich gilt kein Gesetz. Mehrere Dutzend der sogenannten Staatenlenker leben nach diesem Credo. Das Credo des Absolutismus. Allesamt keine Christen. Der Kirchgang ist für sie Instrument. Sie beten in der Kirche nicht. Sie wüßten auch nicht, was und zu wem. Der Verbrecher kennt weder das katholische Glaubensbekenntnis noch ist er bereit, es vom Papier abzulesen und auszusprechen. Und dieser Verbrecher ist ein Mann, der sich auf sich selbst alles, aber auch wirklich alles, einbildet. Der pathologische Lügner schlechthin, ein Mann ohne jede Ehre. Ein Mann unter schleichender Demenz. Ein Opfer des Bösen.

Das ist der Grundsatz, der sofort in die Diskussion eingeworfen wird: Das Böse gibt es nicht, wir müssen uns selbst helfen. Hinter verschlossenen Türen sprechen die Teilnehmer der Wannseekonferenz weiter: "Wenn es das Böse nicht gibt, gibt es auch nicht das Gute. Doch das ist uns egal. Das einzige, was zählt, ist unser Wille. Diesen Willen werden wir verwirklichen." So sprachen sie damals, und so sprechen sie heute. Kinder bringen sie um, erst recht jene, die nicht dem eigenen Volk entstammen und die dem Terror zuhause zusammen mit ihren Eltern zu entfliehen versuchen. Anstatt in Mittelamerika einzumarschieren und dort für saubere Verhältnisse zu sorgen, kerkert der Mann ohne Ehre - und erst recht sein Adlatus, der unsägliche Maschinenmann, der mich immer, sobald ich ihn auf CNN sehe, an Reinhard Heidrich erinnert -, die Flüchtenden in den Dutzenden, wie Konzentrationslager flächendeckend eingerichteten Lagern des Heimatschutzes ein, und niemand weiß, was dort passiert, und niemand weiß, wo die tausenden Kinder verloren gegangen sind. Und die Anchorlady auf NBC, die davon Kenntnis nehmen muß, weint in mütterlicher Rührung. Nicht Kirstjen Nielsen.

Wenn wir uns und diese unsere Heimat retten wollen, müssen wir uns selbst überwinden, in allem und in jedem Moment. Ich habe sonst keine Chance. Ja, man kann durch die Wand gehen. Es ist eine Selbstüberwindung. Es ist Kraftanstrengung. Es ist Entschluß. Es ist Wille. Ich weiß nicht, was mich drüben erwartet, doch die eigene Würde bin ich mir erst recht schuldig. Ich wasche meine Hände nicht in Unschuld. Ganz und gar nicht. Nein, ich habe Fehler begangen. Haarsträubende Fehler. Die Dummheit ist grenzenlos, doch irgendwann muß sie ein Ende haben. Ein Ende, bevor es zu spät ist.

 

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This topic was modified vor 4 Monaten 2 times by W.Himmelbauer
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