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Ein Besucher im Mai
 
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Ein Besucher im Mai  

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(@Anonymus)
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Beigetreten: 18 Jahren zuvor
Beiträge: 117
13/08/2006 1:47 am  

Ein Besucher im Mai

Sein Weg war nicht geradlinig, seine Herkunft im Dunkeln. Irgendwann war er losgeschickt worden. Er gehorchte einer gekrümmten Bahn, wenn er an majestätischen Körpern vorbeikam. Er war ein Bote der Vergangenheit und diente als Botschafter der Zukunft. Sein Wirken sollte raum- und zeituebergreifend sein.

Der Besucher gehorchte dem ihm innewohnenden Gesetz, ein Gesetz, dem sich nichts in den Weg stellen konnte. Die Allmacht hatte ihn geschaffen, und er brachte denen, die er besuchte, die Allmacht.
Die, die er besuchte, lebten bereits seit Unzeiten in ihrem Reich. Die einen waren Vegetarier, die anderen zweibeinige Fleischfresser. Die Bewohner lebten in ihrem Reich, nach eigenem Gesetz, das ihnen niemand streitig machte. Zu ihrer Zeit waren die Kopfzangenwesen noch nicht geboren. Nur die Quastenflosser sangen bereits ihr Lied des Magnetismus an den Küsten des Indischen Ozeans. Die Bewohner gefielen sich im Segelfliegen über tausende von Meilen, ohne nennenswerten Energieaufwand. Sie tauchten tief in die Meere hinab und durchwanderten endlose Urwälder und spärliche Wuesten. In ihrem Garten Eden pflückten sie von den Wipfeln frische Triebe, reckten ihre Hälse gleichmütig. Ihre naturgegebene Geschäftigkeit hielt sie in Atem.

Es war im Mai, und alles blühte. Nur acht Sekunden vor seiner Ankunft, in 300 Kilometer Entfernung, ließ der Besucher sein Kleid aufleuchten und es begann zu glühen, immer heller. Wir wissen nicht, wer von ihm Notiz nahm. Vielleicht wenige unter jenen, die in der Dunkelheit noch nicht schliefen. Sie konnten sich nicht erklären, was sie sahen. Den Lichtschimmer.
Der Besucher berührte den Boden der Erde südlich von Texas, im Land der Mayas. Dort ging seine Reise zu Ende. Er küßte die Erde bis in eine Tiefe von 30 Kilometer. Sein Mantel, der sich entfaltete, breitete sich in einem Umkreis von 200 Kilometer aus. Die Erde erzitterte unter seinem Kuß und wölbte sich auf. Und allen, die auf ihr lebten, ward Kunde getan.
Der Besucher kam wie ein Schemen, schneller als eine Augenbewegung, und sein Atem versengte alles an Land, Wasser und Luft.

Der Besucher gehorchte einem Gesetz, das die Kopfzangenwesen und ihren Kalender ueberschreitet. Mitten im Mai. Sein Wort ein unauslöschliches, weil zeitloses.

"Das derzeit wahrscheinlichste Szenario geht davon aus, dass vor 66,04 Millionen Jahren (± 32.000 Jahre) ein etwa 10 km großer Meteorit mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 40 km/s im Gebiet des heutigen Golf von Mexiko in einem tropischen Flachmeer detonierte. Der Impaktor verdampfte dabei innerhalb einer Sekunde fast vollständig, schleuderte aber durch die Wucht der Explosion, die wahrscheinlich auf dem gesamten Erdball zu vernehmen war, einige tausend Kubikkilometer Carbonat- und Evaporitgestein über weite Strecken als glühende Ejekta bis in die Stratosphäre, zu einem kleineren Teil weit darüber hinaus. Neben den unmittelbaren Auswirkungen des Einschlags wie Megatsunamis, einer überschallschnellen Druckwelle sowie Erdbeben im Bereich der Stärke 11 oder 12 traten weltweit Flächenbrände auf, deren Ausdehnung und Dauer noch nicht endgültig geklärt ist. Innerhalb weniger Tage verteilte sich in der gesamten Atmosphäre eine große Menge an Ruß und Aerosolen, die das Sonnenlicht über Monate hinweg absorbierten und einen globalen Temperatursturz herbeiführten. Eine im April 2015 von mehreren bekannten Geowissenschaftlern vorgelegte Hypothese geht davon aus, dass aufgrund der Impaktenergie von 3x1023 Joule und der dadurch ausgelösten tektonischen Schockwellen der lange „schwelende“ Dekkan-Trapp im heutigen West-Indien eine erhebliche Zunahme seiner Aktivität verzeichnete. Laut dieser Hypothese ist der kurzfristige Ausstoß von 70 Prozent aller Dekkan-Trapp-Flutbasalte auf den Chicxulub-Einschlag zurückzuführen. Dieses bisher wenig beachtete Szenario wird in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend intensiver erörtert.

Von der sich anschließenden biologischen Krise waren die ozeanischen und festländischen Ökosysteme gleichermaßen betroffen. 75 Prozent der Arten fielen dem Massenaussterben zum Opfer, darunter nicht nur die Saurier, sondern auch die Ammoniten, fast alle kalkschalenbildenden Foraminiferen sowie in hohem Ausmaß die Vögel. Nach einer vermutlich mehrere Jahrzehnte dauernden Kältephase begann eine rasche, zu Hitzestress führende Erwärmung, bedingt durch Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid, die der Einschlag infolge der Verdampfung ozeanischer Böden freigesetzt hatte. Die Dauer des extremen Treibhauseffekts wird auf rund 50.000 Jahre geschätzt, ehe sich das Klima wahrscheinlich erst nach mehreren Hunderttausend Jahren endgültig stabilisierte."

(Zitat Wikipedia Ende)

"... der Impaktor verdampfte dabei innerhalb einer Sekunde fast vollständig".


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