Seite auswählen

Forum Home

Getrieben. Zu Luege...
 
Notifications
Clear all

Getrieben. Zu Luege, Lust und Leiden.  

  RSS

(@w-himmelbauer)
Mitglied Admin
Beigetreten: 16 Jahren zuvor
Beiträge: 322
17/08/2007 5:14 pm  

Sie war eine bildhuebsche Frau, Klavierspielerin. Aus Liebe zu ihrem Braeutigam vernachlaessigte sie das Spiel, liess es schlussendlich ganz bleiben. Die Musik machte ihn nervoes. Einen unbedarften Verehrer, der ihr Blumen und ein Medaillon schenkte, erhoerte sie nicht. Er war ihr zu schuechtern. Die Ehe geriet zu einer groben Ackerung. Der einzige Sohn missriet in den Augen seines Vaters, weil er sein Leben lang schuechtern blieb und ein seltsam gesteltztes Vokabular handhabte. Der Vater wurde mit dem Alter immer mehr zum Wueterich. Er schuettete kochendes Wasser hinaus auf den Hof, gegen die laermenden Kinder. Dann starb er. Eine Nachbarin stellte sich ein, aus ihren Mundwinkeln triefte Hohn. "Sie wissen gar nicht, wie zufrieden er bei mir war. Bei mir fand er, was er bei Ihnen vermisste." Jahrzehnte hatten sie auf Steinwurf entfernt voneinander gewohnt. Die Witwe wurde verwirrt, bereute ihr Leben, die Abweisung des Verehrers aus der Jugend. Die letzten Monate wurde sie von Weinkraempfen geschuettelt, die naechtelang anhielten und die Mauern durchdrangen, bis sie zusammenbrach, nicht mehr wissend, wer sie selbst war. Der Sohn regelte den Nachlass mit Wuerde. Mathilde Svec.

Wenn uns das Alter etwas Gutes beschert, dann vielleicht den ungeschminkten Blick auf unsere Sexualitaet. Und wenn es uns verwirft, dann vielleicht, weil es uns hemmungslos macht. Nirgendwo mehr Sodomie als in Wien, wo Hunde mehr Rechte geniessen als Kleinkinder, und im verlassenen Ehebett liegen.

Der Fetischismus der modernen Welt ist hierzulande unbekannt, nicht aber die Pornographie, die in Raubkopien auch den Dschungel bereits ueberschwemmt. Wir hier, die Dritte Welt, sind Rohstofflieferant. Hier wird die Kindeshaut zu Markte getragen und gekauft. Von Amerikanern am Hauptplatz in Iquitos, aber auch von Einheimischen. "Hast Du schon eine Jungfrau gekostet?" So reden Macho-Hunde, die nur zu einem 30-Sekunden-Sprung taugen und sich wieder davontrollen. Ob ihrem Akt ein Kind entspringt, ist ihnen egal. Sie erkennen es sowieso nicht an. Die Geschwaengerte bleibt verstoert zurueck, unsicher, ob sie stolz auf ihre Leibesfrucht sein soll oder verzagt. So reiht sich in der Ungluecksserie ein Glied an das andere. Manche haben sechs Kinder von fuenf verschiedenen Zeugern und vielleicht auch noch 2 Abtreibungen dazwischen. Die Kinder bleiben fruehzeitig sich selbst ueberlassen, landen auf der Strasse, wie junge Hunde. Eine Zeit lang spielen sie im Fluss, tragen Lasten, lassen sich fuer alles anheuern, auch zum Transportieren von Drogen oder einfach nur zum simplen, organisierten Stehlen. Von Schlimmerem will ich nicht reden. Sie sprechen frueh den Jargon der Sklaverei. Ihre Augen blicken gross und dunkel. Nicht selten hungern sie, haengen sich an deinen Saum. Wenn nichts hilft, rufen sie dir zu: "Bring mich zu deinem Haus!"

Der Machismo des Latinos wirkt auf alleinreisende Frauen faszinierend. Zeitweise kommen sie mit geheimen Absichten in die Tropen, wo sie sich sofort im Visier eines Schussbereiten finden. "Warum reisen sie alleine?" fragen die Haehne scheinheilig. "Es ist doch klar, was sie wollen!" 80 Prozent der Besucher von Schamanenkongressen sind Frauen, ebenso in den Konsultationen. Manche "Curanderos" hierzulande sehen sich von Frauen ueberschwemmt. Sie kommen mit der Nachtarbeit nicht mehr nach. "Ich nehme jede Frau, die sich mir anbietet", sagt einer. "Sex ist Teil der Heilung. Das ist es, was ihnen fehlt. Und wenn sie zuhause jemanden haben, Pech fuer ihn. Warum hat er sie alleine reisen lassen?" Andere bruesten sich: "Mein Hahn ist mein bester Geldbringer. Es ist mir egal, ob die Gringa alt ist, aber sie bezahlt gut, wenn ich es ihr besorge."
Das ist amazonische Realitaet. Dichtgewobene Realitaet. Und wer von uns entkommt ihr?

Ein beachtenswerter Besucher, er kam einmal mit seinem Freund vor Jahren ueber Brasilien nach Otorongo auf eine Stippvisite, nahm mich bald ins Gebet: "Was sind wir nur fuer Gestalten? Kann man der Psychologie glauben, die behauptet, der Mann denke 200 Mal am Tag an Sex? Was bleibt denn da noch uebrig? Das muss ja geradezu stinken und pervers werden! Was bleibt denn da wirklich noch uebrig?" Er hatte ein paar Jahre mehr als ich auf dem Buckel oder vielleicht waren wir gleich. Vielleicht wollte er mir sagen, Du, manchmal ist es schon ziemlich verrueckt.
Ja, das kann man wohl sagen. Manchmal ist es schon ziemlich verrueckt. Das sind eben die Fruechte der Hemmung, sagt die Sexualpsychologie. Der Triebstau erzeugt Druck, und der Druck fuehrt zur Ueberreizung. Und die Ueberreizung fuehrt zur Exzentrizitaet, zur Neurose und zur Pathologie.

Den westlichen Fetischismus in den Folterkammern kennt man hierzulande nicht. So etwas ist undenkbar. Der Fetischismus ist etwas fuer Aufgeklaerte, Gebildete, Reiche. Fuer solche, die sich feine Genuesse, gekaufte, leisten koennen. In den Tropen folgt man dem Ruf der Wildnis, zielgerichteter Lust. Ein hydraulisches Prinzip, bei dem viele Frauen auf der Strecke bleiben. Die Indiostaemme, viele von ihnen, praktizierten bis in die 60er Jahre herauf noch Klitorisexstirpation. Viele Muetter, besonders, wenn sie Sekten angehoeren, impfen ihren Toechtern ein, Sex sei etwas fuer Maenner. Die Frau muesse still halten und still bleiben. Der Machismo, der 30-Sekunden-Spruenge propagiert, giesst da mit seiner Praxis noch Oel ins unheilige Feuer. Viele Frauen hierzulande leiden deshalb an psychosomatischen diffusen Beschwerden, sind pillensuechtig. Die Maedchen, die mit 14 ihr erstes Kind gebaeren, Kindfrauen, und mit ihm im Arm wieder in die Felder verschwinden, wo der Missbrauch, oft durch Vaeter und Onkeln, weiter andauert. Ein trauriger Anblick, denn du siehst keinen Ausweg.

Der Sex ist unser Verhaengnis, ob wir wollen oder nicht. Wer mit ihm ins Reine kommt, kann sich gluecklich preisen. Meist endet es in dem, womit wir alle taeglich schwanger gehen. Und von dort zur Gewalt ist es nicht weit. Und wenn die Gewalt einmal heult in den Mauern, dann flackern bald die Flammen auf, meist unausloeschbare. Jene, die die Augen unserer Kinder verbrennen.


Zitat
Share: