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Soziale Bilderstürmer mit extremen Ansichten


(@Anonymus)
Member
Joined: 20 years ago
Posts: 117
Topic starter  

Zunaechst muss ich Ihnen danken, Corey Donovan, fuer die Mühe, die Sie sich angetan haben, um das viele Material zu Carlos Castaneda auf Ihrer Webseite "Sustainedaction.org" zusammenzutragen. Aber mir scheint, Sie gehen über die Faktensammlung, die Sie als Leitgedanken darstellen, hinaus. Ihnen geht es um die Demontage eines Idols, dem Sie Schürzenjaegerei und unverdienten Ruhm, weil auf Dichtung basierend, vorwerfen. Nicht? Aber in Ihrem Elan, Herr Donovan, gehen Sie noch weiter, nicht? Auch Taisha Abelar, Florinda Donner und Carol Tiggs, die Gefährtinnen des mysterioesen Castaneda werden diskreditiert, so wie seine Tochter, "der blaue Scout".
Ich verstehe auch, warum Sie die nahe der Leichenfledderei anzusiedelnden, heimlich geschossenen Fotos von Gabi Greuther ueber den todesgezeichneten Castaneda publizieren wollten, und Sie selbst ziehen ja den vermeintlichen Schlussstrich mit dem sinnigen Eingangsmotiv auf Ihrem Portal: Ein steinerner Grabstein mit einer Krähe. Schlussendlich haben Sie dann doch die Animation gelöscht, die die Kopfdrehung der Krähe zeigte und die Sie mit dem Untertitel "Rekapitulation" belegt hatten.

Ihre letzte Eintragung in Ihrer Webseite stammt aus 2003. Das läßt den Elan verebbbar erscheinen. Entschuldigen Sie diese Bemerkung, denn weder kenne ich Sie persönlich noch weiß ich nicht einmal, ob Sie überhaupt noch leben. Aber warum publizieren Sie nicht mehr? War damit Ihre Mission beendet?

Ich richte mich nur an Sie, weil Sie meine Nächte inspirierend kreuzen und Ihr Beitrag somit nur wertvoll sein kann. Wenn ich Ihnen also unrecht tue, entschuldigen Sie meine Aufdringlichkeit. Ich erzähle Ihnen nur meine Liebesgeschichte.

Ich bin jetzt 76 und lebe mein zweites Leben. Das erste endete 1980. Fuer mich ist es wie gestern. Ich wollte gehen, doch die Ärzte holten mich zurück. Es hätte keinen Unterschied gemacht. Wissen Sie, mich interessiert das Reden der Leute nicht mehr sonderlich. Es ist mir alles fremd geworden. Am liebsten schaue ich zum Mond hinauf, so wie jetzt im Sommer, wenn die Nächte warm sind und Schäfchenwolken dahinziehen. Das macht die Stille des Mondes umso machtvoller. Der Mond wird noch oben stehen, wenn ich gegangen bin, nach den paar Jahren, die mir der Herrgott vielleicht noch schenkt.
Wissen Sie, Herr Donovan, ich war fest davon überzeugt, meine Frau würde mich betruegen. Ich wollte sie zeitweise dafuer umbringen, aber dann sagte ich mir, es steht nicht dafür. Schlußendlich wollte ich gehen. Damals trank ich. Mein Freund Karl holte mich zurueck, an einem Sonntag, gerade als er aus der Messe kam. Er heisst Karl so wie ich. Mein einziger Freund. Er holte mich zurück. Ich war schon drüben. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn alles endet. Aber es endet nicht, Herr Donovan. Es ist endlos. Und Sie sehen drüben viele Leute, sogar solche, die noch nicht geboren sind und solche, von denen sie sagen, sie werden nie geboren. Leute, denen Sie nie begegnet sind. Fremde. Aber alle sind Ihre Geschwister.

Herr Castaneda starb 1998, erst vor ein paar Jahren. Aber wissen Sie, er lebt für mich, so wie sein Lehrer, den ich gesehen habe. Es ist bitter, dass Herr Castaneda seine Gefährtin verlor, Elena, aber sie ist nicht verloren. Wissen Sie, Castaneda war ein unglaublich großherziger Mensch. Nur in seinen Methoden war er manchmal harsch und rustikal, gezwungenermaßen, so wie es ihm sein Meister immer auf den Kopf zusagte: "Du ähnelst meinem Lehrer und den alten Zauberern auf eigenartige Weise." Und Sie wissen ja, Julian Osorio war ein "sexueller Unhold". Das ist es ja, was wir wissen wollen. Ein morbides Interesse, weil wir nicht sehen, was uns damit gelehrt werden soll. Sie alle hätten auch anders gekonnt.
Ganz sicher haben sich die Gefährtinnen Castanedas nicht umgebracht. Es wäre ein ausgemachter Widersinn und Böswilligkeit, so etwas zu behaupten. Nur wenn Sie sich nicht in dieser magischen Welt bewegen, Herr Donovan, halten Sie so etwas fuer möglich. Doch wenn Sie mit Bedacht und offen durch die Bücher gehen, die uns dieser Herr so wie Frau Donner und Frau Abelar hinterlassen haben, werden Sie beim Umblättern der Seiten das Gefühl haben, das eben Gelesene noch einmal durchstudieren zu wollen. "Man kann die Bedeutung dieses Werks nicht überschätzen", sagt die New York Times. Genau.
Man muss kein Experte für das Leben der Yaqui sein, um von den Indianern, die auf offenem Feld bei der Arbeit erschossen wurden, eine Blutslinie zu ziehen nach Los Angeles, wo der gute Mann aufwachte, nachdem er in Mexiko in den Abgrund gesprungen war. Wir leben ein Erbe, Herr Donovan, und wir werden es nicht vergeuden! Sie nicht, der Sie so viel aus nachster Nähe sahen (welch ein Glueck!), und auch wir nicht, hier in Pozuzo.

Ihr Karl Firmberger


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