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Thor Heyerdahl, Navigator  

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(@Anonymus)
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28/04/2006 5:22 pm  

Seit 1985 liegt im Oslo-Fjord Kon-Tiki 2 vor Anker. Es wird aufbrechen, wenn die Zeit Illa-Tikis, des Feuers, gekommen ist. Dann wird es nicht nach Barbados, nicht nach Polynesien, nicht in den Indischen Ozean gehen. Dann wird Kon-Tiki, der Hohepriester der Sonne, sein Gefaehrt und mit ihm seine Gefaehrten auf die Strasse des Lichts fuehren, an Spitzbergen, Groenland und dem Vorhang des Nordens vorbei, hinauf zum Grossen Wagen. "Jakten pa Odin" wird am Bug geschrieben stehen, und alle, die an der Reeling stehen, werden rufen "Ingen grenser". Ohne Grenzen. Und es werden nicht Hundertvierundvierzigtausend sein.
Es wird ein Leuchtfeuer am Himmel stehen, zwischen unserer Lebensspenderin und deren Bruder, Alpha Proxima Centauri, es wird Pallas Athene sein, die Weise, mit ihrer Fackel, ihr zu Fuessen Thor Heyerdahl. Ein Mensch neben einer Titanin.

Als der Stolz des Habsburger Hauses Rache schwor, wurde Thor Heyerdahl im kleinen Kuestenstaedtchen Larvik im Sueden Norwegens geboren. Er hatte das Meer immer vor sich. Er war inspiriert. Die englische Marine liess ihn, den Freiwilligen, nicht in den Krieg ziehen, er sollte als Kellner im Offizierscasino Dienst versehen. Das lehnte er ab. Die Verweigerung brachte ihm Unbill ein, - nicht zum letzten Mal.
Etwas musste ihm den grossen Horizont ermoeglicht haben. Schon vor dem Studium der Zoologie und Geographie. Er verbrachte ein Jahr mit seiner Frau in der Suedsee, wie Gauguin. Dort traf er auf weisse, rotbaertige Ureinwohner, deren Ueberlieferung auf Schiffahrer aus der Urzeit zurueckging.
1947, nach dem Studium der Inka-Ueberlieferungen, die sich auf Con-Tici Viracocha beriefen, den Sonnengott und Leiter eines weisshaeutigen Stammes, der den Inkas voranging und ihnen Architektur und Zusammenleben lehrte ("Sie kamen im Morgen der Zeit", schreiben die Inkas), brach er von Callao auf einer Balsa aus Schilf vom Titicaca-See nach Polynesien auf. Er wollte nachweisen, dass der Pazifische Ozean nicht nur von Asien aus besiedelt worden war. Die Inka-Schriften berichten von Kon-Tikis Niederlassung an den Ufern des Titicaca-Sees, wo sie ueberdimensionale Steinbauten errichteten. Die weissen Goetter wurden von Carri, einem Wilden aus dem Coquimba-Tal, angegriffen und besiegt. Kon-Tiki fluechtete sich mit Wenigen zu den Ufern des Pazifiks, in dessen Weiten sich die Spur des geheimnisvollen Stammes verliert.

Heyerdahl landete nach 101 Tagen auf Tuamotu. Ueber 20 Jahre sollte die Suedsee seine Heimat bleiben. 1954 und 1956 weilte er, neben vielen anderen Forschungen im Ostpazifik, auf Gal?pagos und der Osterinsel. 1969 dann die unvergessliche Expedition mit "Ra 1". Von Nordafrika aus auf einem Papyrusfloss nach Suedamerika. Er war der Ueberzeugung, dass die Vielzahl der Pyramidenbauten im Atlantik ebenso von seefahrenden Aegyptern und deren Nachkommen stammte wie die Bauten der mexikanischen und peruanischen Hochkultur. Spuren auf 500 Jahre vor Christus zurueck. Der erste Versuch scheiterte, der zweite nicht. Nach 57 Tagen landet der Wikinger auf Barbados.

1978 wollte Heyerdahl nachweisen, dass selbst die erste Hochkultur der Menschheit, die Sumerer, (die Atlanter lassen wir an dieser Stelle einmal aussen vor) vor 5000 Jahren bereits weite Reisen am Meer unternahmen. Auf Floessen aus Zuckerrohr. Als er das Rote Meer kreuzt, entschliesst er sich, aus Protest gegen die Kriege an dessen Ufern sein Unternehmen abzubrechen und verbrennt das Floss.

Heyerdahl war der etablierten, pensionsbedachten Lehrstuhlwissenschaft ein Kloss im Hals, doch das focht ihn nicht an. Zur Jahrtausendwende erhob ihn sein Heimatland zum "Norweger des 20.Jahrhunderts" (hierzulande ist der "Peruaner des Jahrtausends" ebenfalls ein Seefahrer, Admiral Grau, ein Heros, der in der Seeschlacht von Iquique sein Leben liess).

3 Jahre vor seinem Abschied schrieb Heyerdahl "Ingen Grenser", "Ohne Grenzen". Am 18.April 2002 starb er im 88. Lebensjahr in Alassio in Italien an einem Gehirntumor, den er partout nicht behandeln lassen wollte.

Sein Museum samt der Kon-Tiki steht nicht unweit jener Uferpromenade, an der Edvard Munch sein beruehmtestes Bild malte. Wenn Kon-Tiki 2 aufbricht, wird niemand der Argonauten an Bord einsam sein. Sie werden gemeinsam nach vor zeigen, in die Gischt der Freilassung, und sie werden zu einem stummen Schrei ansetzen, emporgehoben, eins mit dem Wind.

Dieses Thema wurde geändert 9 Monaten zuvor von W.Himmelbauer

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(@w-himmelbauer)
Mitglied Admin
Beigetreten: 15 Jahren zuvor
Beiträge: 306
24/03/2019 2:51 pm  

Die Barke der Toten

 

Welch liebliches Eiland sucht mir Gott Hades, auf daß dort unsere Barke anlege, in Frieden, weltabgeschieden und doch noch in dieser Welt, dieser Welt, die einmal die unsere war und die immer noch die unsere ist, denn ihr gilt unsere unverbrüchliche Liebe, und Liebe erst recht zu jenen, die uns noch zu Lebzeiten liebten, ohne daß wir es uns eingestehen wollten. Wohin ist die Zeit der Feiern, wohin die Zeit der Herrlichkeit, als wir Freunde waren in Beruf und Alltag, mißverstanden und verkannt nur allzu oft, und so wird uns die Zeit verrinnen und bleiben uns nur Erinnerungen, glorreiche Erinnerungen der Wegkreuzungen, der Begegnungen, des ewiglich Einzigartigen, des niemals mehr Wiederkehrenden. Ach, wo seid ihr hin, goldene Zeiten? Ach, wo seid ihr hin, all ihr Guten, ihr Bekannten, ihr Freunde des Tages, wie er im Kalender stand. Wohin zieht unsere Barke, diese Barke des Lebens, die sich mit Toten belädt? Wohin, wenn nicht nach Otorongo, dem stillen Kloster mitten im Wald, wo wir durchkreuzen Sinn und Ort, in der Dunkelheit flackernden Lichtes, im gesteigerten Bewußtsein, das Stille ist? Denn in der geheiligten Feier, am Ort der Kathedrale, eröffnet sich uns ein Licht, ein Tor, das uns Einlaß gewährt, hindurch in die Welt von euch Lebenden, die ihr im Dunkeln sitzt und uns willkommen heißt. In eurem Schlaf heißt ihr uns willkommen, ihr guten Freunde, du guter Freund. So kehren wir wieder und nehmen Platz, an eurem Tisch, der runden Tafel der Ritter, und wir dürfen euch erzählen vom heiligen Gral, dem heiligen Kelch, der sich selbst uns Toten noch nicht gezeigt hat. Auch wir, müßt ihr wissen, warten noch immerzu, warten auf das Kommen des Herrn. Auch uns hat der Strahlenkranz noch nicht umfangen, nur die Stille der Ewigkeit, denn sie ist es, die uns alle Torheit erkennen hat lassen, und so sind wir kommen, um Dank abzustatten und das Gastrecht in Anspruch zu nehmen, das ihr uns gewährt, ihr hier in diesem Kloster. So kommen wir voll der Erinnerung und nehmen Platz an diesem festlichen Tisch, auf daß unser aller Gemüt erhoben werde. Amen.

(In memoriam Dr.Felix Koschitz, Adolf Deutschbauer, Renate Kürner. Reverenzerweisung an Susanne Frühmann)

Diese r Beitrag wurde geändert 9 Monaten zuvor von W.Himmelbauer

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