Himmel ?ber Deutschland

Wer dieses Lied eines Sohnes Mannheims kennt, findet darin die Zeilen:

? Ich konnte es nicht glauben, mein Verstand war nicht rein,

dann hob ich meine Augen, doch mein Verstand war noch zu klein

Dann gabst du mir Einsicht, von deiner Weisheit nur ein St?ck

Dass dieses Kartenhaus nun einbricht,

wird f?r mich zum Gl?ck?

Wer den Himmel ?ber Norddeutschland in den letzten zwei Tagen beobachtet hat, kam nicht umhin seine Roheit zu bemerken. Die Schw?le des Tages wechselte mit orkanartigen Winden in massive Regenschauer.

Ein monstr?ses Gewitter entlud sich noch bis tief in die Nacht.

Kein small talk-Thema ist so beliebt wie das Wetter. Und greift man die Meinung des deutschen Mitb?rgers auf, hat dieser Sommer nur ein Ziel ? uns unzufrieden zu machen.

Der Letzte war zu hei?, dieser ist zu kalt und zu na?. Alles ist schlecht ? selbst das Wetter folgt diesem Trend und wird noch schlechter.

Zu wenige machen sich die M?he und sehen sich den Himmel genauer an. Wahrscheinlich fehlt die Zeit und die Mu?e. Man ist ja kein Kind mehr oder ein Tr?umer, der es sich erlauben kann in die Wolken zu starren.

Doch n?hme man sich die Zeit, w?ren einem in den letzten Wochen erstaunliche Dinge aufgefallen.

Schulklassen pilgerten in Observatorien um den verh?ltnism??ig winzigen, schwarzen Punkt Venus auf ihrem Transit vor der Sonne zu beobachten. Des Nachts erstrahlte der Mond nach ?berstandener Finsternis in orangen-rotem, unwirklichem Licht. Gestern Nacht erhellten grelle Blitze stundenlang die mondlose Nacht und vielerorts lies der ger?uschvolle Donner die Menschen nicht schlafen.

So h?rte man heute vormittag den Nachrichtensprecher der Regionalnachrichten sagen, dass landesweit schwere Unwetter gew?tet haben. Mit verhaltenem Lachen f?gte er hinzu, eine Vielzahl von Menschen haben beunruhigende Flugobjekte gesichtet, besonders in Baden-W?rttemberg, doch selbstverst?ndlich sei dies nur ein Wetterleuchten gewesen.

Ein sonst so ungl?ubiger Mann schmunzelt und sagt: Klar, Wetterballons – ?ber ganz Deutschland.

Seine Frau sagt ohne eine Miene zu verziehen: Es waren sechs. Sie kamen von Westen und flogen nach Osten, direkt ?ber unser Haus.

Weiter wurde nicht dar?ber geredet, was soll man auch sonst noch sagen?

Es sei mir eine Frage an jene gestattet, die des Nachts Wetterballons am Himmel sehen: sind auch Wolken nur eine Ansammlung von Wassertropfen?

Ich beobachte den Himmel ?ber Deutschland, und wiederhole nur was jeder derzeit sagt:

Es ist ein merk-w?rdiger Sommer.

0 Antworten

  1. Danke, Aisha, fuer Ihren gedankenvollen Beitrag. Mannheim weckt alte Erinnerungen. Und seltsam, dass sie ausgerechnet ueber den Himmel ueber Deutschland schreiben.

    Kennen Sie die alten Stummfilme von Carl Theodor Dreyer? Er liebte es, Nachtszenen darzustellen. Natuerlich musste er sie bei Tag drehen und verdunkelte dann die Bilder. Aber es ist Magisches herausgekommen. Und was denken Sie ueber Wim Wenders‘ „Himmel ueber Berlin“?

    Liebe Gruess aus Amazonien!

  2. Wertvoller Filmtipp, lieber Wolfgang.

    ?Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war, alles war ihm beseelt, und alle Seelen waren eins… Als das Kind Kind war, war das die Zeit der folgenden Fragen : Warum bin ich Ich, und warum nicht Du? Warum bin ich hier und warum nicht dort? Wann begann die Zeit und wo endet der Raum? Ist das Leben unter der Sonne nicht bloss ein Traum??

    Der Kuenstler Wim Wenders sagte weiter:

    ?Mein Beruf ist es zu sehen und etwas Geschehenes zu zeigen.?

    Gruesse nach Amazonien.

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